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Die meisten Bohrungen erledigt ein normaler Spiralbohrer. Es gibt aber Aufgaben, bei denen er grundsätzlich nicht funktioniert: wenn eine Bohrung auf einer runden oder schrägen Fläche exakt sitzen muss, wenn ein großes Loch in einen dicken Stahlträger soll, oder wenn Bohrung, Senkung und Gewinde in einem Arbeitsgang entstehen sollen. In diesem Bereich finden Sie die Werkzeuge dafür: Zentrierbohrer ab 6,16 Euro, Kernbohrer mit Weldon-Schaft, zweistufige Bohrer und Kombinationen aus Bohrer und Gewindeschneider.
Zentrierbohrer: gegen das Wandern beim Anschnitt
Ein Spiralbohrer beginnt seinen Schnitt an der Querschneide in der Mitte, und diese Mitte ist schneidtechnisch die schlechteste Stelle des Werkzeugs: Dort ist die Schnittgeschwindigkeit nahezu null, und deshalb schneidet der Bohrer dort nicht, sondern drückt. Auf einer ebenen, angerissenen Fläche geht das gerade noch, auf einer runden Stange oder einer schrägen Fläche rutscht der Bohrer weg, bevor er greift, und die Bohrung sitzt dann einen bis zwei Millimeter neben der Markierung.
Ein Zentrierbohrer löst das durch seine Bauart: Er ist kurz und dadurch steif, er hat einen kleinen Vorschneider mit einem dünnen Zapfen, der zuerst greift, und er läuft deshalb selbst nicht weg. Übliche Ausführungen haben einen Anschnittwinkel von 60 Grad, und die entstehende Vertiefung erfüllt zwei Aufgaben: Sie führt den nachfolgenden Bohrer, und beim Drehen dient sie zugleich als Zentrierbohrung für die Spitze des Reitstocks. Wenn Bohrungen bei Ihnen regelmäßig ein bis zwei Millimeter neben der Markierung sitzen, liegt es fast immer an diesem fehlenden Arbeitsschritt und nicht an der Bohrmaschine.
Kernbohrer: große Löcher in dickem Stahl
Ein Spiralbohrer trägt das gesamte Material der Bohrung als Span ab, und dieser Aufwand wächst mit dem Quadrat des Durchmessers. Bei einem 30-Millimeter-Loch in einem Stahlträger bedeutet das Kräfte, die eine Handbohrmaschine nicht aufbringt, und eine Wärmeentwicklung, die den Bohrer zerstört. Ein Kernbohrer geht den umgekehrten Weg: Er schneidet nur einen Ring am Umfang und lässt den Kern in der Mitte stehen, der am Ende als kleiner Zylinder herausfällt.
Der Materialabtrag ist dadurch ein Bruchteil, und damit sinken Kraftbedarf, Wärme und Zeit erheblich. Eingesetzt werden solche Bohrer im Stahlbau, im Anlagenbau, an Trägern, Flanschen und Konstruktionen, und zwar meist in einer Magnetbohrmaschine: einem Bohrantrieb mit einem Elektromagneten im Fuß, der sich am Werkstück selbst festhält und dadurch die Gegenkraft aufnimmt. Achten Sie beim Arbeiten auf ausreichende Kühlung und darauf, dass der Kern am Ende frei herausfallen kann, denn ein klemmender Kern beschädigt die Schneiden.
Was ein Weldon-Schaft ist
Der Weldon-Schaft ist eine genormte zylindrische Werkzeugaufnahme mit zwei seitlich angeflachten Flächen, in die im Halter Klemmschrauben greifen. Der Unterschied zu einem gewöhnlichen Zylinderschaft ist entscheidend: Ein Bohrfutter hält allein durch Reibung und lässt bei hohem Drehmoment durchrutschen, während die Klemmschrauben auf den Flächen das Moment formschlüssig übertragen. Genau das ist bei Kernbohrern nötig, weil dort große Durchmesser mit hohem Drehmoment und niedriger Drehzahl arbeiten.
Der übliche Schaftdurchmesser bei Kernbohrern für Magnetbohrmaschinen ist 19,05 Millimeter, also drei Viertel Zoll, und die Flächen sitzen genormt, sodass Bohrer verschiedener Hersteller in dieselbe Aufnahme passen. Prüfen Sie vor dem Kauf trotzdem die Angabe zu Schaft und Aufnahme Ihrer Maschine, denn es gibt daneben andere Systeme.
Zweistufige Bohrer und Bohrer mit Gewindeschneider
Ein zweistufiger Bohrer erzeugt zwei Durchmesser in einem Zug: den kleineren für das Gewinde oder den Schraubenschaft und den größeren für die Senkung oder für den Durchgang im oberen Bauteil. Der Nutzen ist nicht nur Zeit, sondern Genauigkeit: Weil beide Durchmesser mit einem Werkzeug und in einer Aufspannung entstehen, sind sie zwangsläufig koaxial, während bei zwei Arbeitsgängen mit zwei Bohrern immer ein Versatz möglich bleibt. Ausführungen mit 90 und 180 Grad Übergang deckt dabei die üblichen Senkformen ab.
Noch einen Schritt weiter geht die Kombination aus Bohrer und Gewindeschneider: Ein Werkzeug bohrt das Kernloch und schneidet unmittelbar danach das Gewinde, ohne dass das Werkzeug gewechselt oder das Werkstück neu ausgerichtet wird. Bei Serienarbeiten mit demselben Gewinde spart das erheblich Zeit, und es beseitigt die häufigste Fehlerquelle beim Gewindeschneiden von Hand, nämlich ein Gewinde, das schief zur Bohrung ansetzt. Reine Gewindewerkzeuge finden Sie unter Schneidwerkzeuge.
Welches Werkzeug für welche Aufgabe
Für normale Bohrungen in Metall bis etwa 13 Millimeter ist ein HSS-Metallbohrer das richtige und günstigste Werkzeug, ergänzt um einen Zentrierbohrer, wenn die Fläche nicht eben ist. Für große Durchmesser in dickem Material ist der Kernbohrer die einzige praktikable Lösung. Für große Durchmesser in dünnem Blech gilt genau das Gegenteil: Dort ist ein Stufenbohrer richtig, weil ein Kernbohrer eine Mindestmaterialstärke braucht, um sauber zu führen.
Für Mauerwerk und Beton brauchen Sie Werkzeug mit Hartmetallplatte aus dem Bereich Betonbohrer, und zum Entgraten und Senken der fertigen Bohrung gehören Senker dazu. Eine Übersicht über alle Bohrwerkzeuge finden Sie unter Bohrwerkzeuge.
Häufig gestellte Fragen zu Spezialbohrern
Warum sitzt meine Bohrung neben der Markierung?
Weil der Bohrer beim Anschnitt gewandert ist. Ein Spiralbohrer schneidet in der Mitte praktisch nicht, dort ist die Schnittgeschwindigkeit nahezu null, und deshalb drückt er statt zu schneiden. Auf runden und schrägen Flächen rutscht er dadurch weg, bevor er greift. Ein Zentrierbohrer verhindert das.
Wozu dient ein Zentrierbohrer?
Er setzt eine kurze, exakt platzierte Anbohrung, die den nachfolgenden Bohrer führt. Dafür ist er kurz und steif und hat einen kleinen Vorschneider mit dünnem Zapfen, der zuerst greift, sodass er selbst nicht verläuft. Beim Drehen dient dieselbe Vertiefung zugleich als Zentrierbohrung für die Reitstockspitze.
Was ist ein Kernbohrer und wie unterscheidet er sich vom Spiralbohrer?
Ein Spiralbohrer trägt das gesamte Material der Bohrung als Span ab, ein Kernbohrer schneidet nur einen Ring am Umfang und lässt den Kern stehen, der am Ende herausfällt. Der Materialabtrag ist dadurch ein Bruchteil, und damit sinken Kraftbedarf, Wärme und Zeit erheblich, was große Durchmesser in dickem Stahl überhaupt erst möglich macht.
Wofür brauche ich eine Magnetbohrmaschine?
Für Kernbohrungen an Bauteilen, die man nicht in eine Bohrmaschine spannen kann, also an Trägern, Flanschen und Konstruktionen. Ein Elektromagnet im Fuß hält die Maschine am Werkstück selbst fest und nimmt dadurch die Gegenkraft auf, die beim Bohren großer Durchmesser entsteht.
Was ist ein Weldon-Schaft?
Eine genormte zylindrische Werkzeugaufnahme mit zwei seitlich angeflachten Flächen, auf die im Halter Klemmschrauben greifen. Anders als ein Bohrfutter, das allein durch Reibung hält und bei hohem Drehmoment durchrutscht, überträgt der Weldon-Schaft das Moment formschlüssig. Der übliche Durchmesser bei Kernbohrern ist 19,05 Millimeter, also drei Viertel Zoll.
Was bringt ein zweistufiger Bohrer?
Er erzeugt zwei Durchmesser in einem Zug, den kleineren für Gewinde oder Schraubenschaft und den größeren für Senkung oder Durchgang. Der Nutzen ist nicht nur Zeit, sondern Genauigkeit: Beide Durchmesser entstehen in einer Aufspannung und sind deshalb zwangsläufig koaxial, während bei zwei Bohrern immer ein Versatz möglich bleibt.
Was macht ein Bohrer mit integriertem Gewindeschneider?
Er bohrt das Kernloch und schneidet unmittelbar danach das Gewinde, ohne Werkzeugwechsel und ohne das Werkstück neu auszurichten. Bei Serienarbeiten mit demselben Gewinde spart das viel Zeit, und es beseitigt die häufigste Fehlerquelle beim Gewindeschneiden von Hand: ein Gewinde, das schief zur Bohrung ansetzt.
Kernbohrer oder Stufenbohrer für große Löcher?
Das hängt an der Materialstärke. In dickem Stahl ist der Kernbohrer die einzige praktikable Lösung. In dünnem Blech gilt das Gegenteil: Dort ist ein Stufenbohrer richtig, weil ein Kernbohrer eine Mindestmaterialstärke braucht, um sauber zu führen.
Warum klemmt der Kern im Kernbohrer?
Weil er am Ende nicht frei herausfallen konnte, meist wegen fehlender Kühlung oder weil Späne im Werkzeug sitzen. Ein klemmender Kern beschädigt die Schneiden, deshalb gehört das Freimachen zum Arbeitsgang und ausreichende Kühlung ist Voraussetzung, nicht Empfehlung.
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