Messschieber

Messschieber

Der Messschieber, in der Werkstattsprache auch Schieblehre genannt, ist das vielseitigste Messwerkzeug, das es gibt: Mit einem Griff messen Sie Außenmaße, Innenmaße, Tiefen und Stufen, und zwar auf Hundertstel- oder Zwanzigstelmillimeter genau. Genau deshalb liegt er in jeder Werkstatt, und genau deshalb wird er auch häufiger falsch benutzt als jedes andere Messmittel. In dieser Kategorie finden Sie Messschieber von BETA mit Noniusskala und mit Analoganzeige, in den Ablesungen 1/20 und 1/50 Millimeter, dazu Spezialausführungen für das Messen von Bremsscheiben.

Messschieber oder Schieblehre: derselbe Begriff

Beide Wörter bezeichnen dasselbe Werkzeug. Messschieber ist die technisch korrekte Bezeichnung nach Norm, Schieblehre die im Handwerk seit Generationen gebräuchliche. Streng genommen ist „Lehre" der falsche Begriff, weil eine Lehre ein festes Maß verkörpert und nichts abliest, aber der Sprachgebrauch hat sich anders entschieden. Wer eine Schieblehre sucht und einen Messschieber findet, hat also das richtige Werkzeug vor sich, und die Produktbezeichnungen in dieser Kategorie verwenden beide Begriffe.

Was 1/20 und 1/50 Millimeter bedeuten

Diese Angaben beschreiben die Ablesung, also den kleinsten Wert, den der Nonius auflöst. Sie klingen abstrakt und sind der wichtigste Unterschied zwischen den Modellen in dieser Kategorie.

1/20 Millimeter entspricht 0,05 Millimetern. Der Nonius hat zwanzig Teilstriche, und jeder davon steht für ein Zwanzigstel Millimeter. Diese Ablesung ist der Standard für Werkstatt und Montage: Wandstärken, Bohrungen, Bolzen, Materialdicken. Für den größten Teil der Arbeit ist sie völlig ausreichend, und ein Messschieber mit dieser Ablesung ist robust, günstig und schnell zu lesen.

1/50 Millimeter entspricht 0,02 Millimetern. Der Nonius ist feiner geteilt, die Skala länger, und Sie lesen zweieinhalbmal genauer ab. Das braucht man, wenn Passungen eingehalten werden müssen, also im Maschinenbau, bei Lagersitzen, bei Wellen und Bohrungen mit Toleranzangabe. Der Preisunterschied zur Standardausführung ist erheblich, und er ist berechtigt: Ein Messschieber, der 0,02 Millimeter auflöst, muss auch mechanisch so genau gefertigt sein, dass diese Auflösung etwas bedeutet. Eine feine Skala auf einer schlechten Führung ist wertlos.

0,1 Millimeter schließlich ist die Ablesung der Spezialausführungen für Bremsscheiben, und das ist keine Sparmaßnahme: Bei einer Bremsscheibe geht es um Zehntel, weil die Verschleißgrenze in Zehnteln angegeben ist, und die Bauform des Werkzeugs ist auf die Zugänglichkeit an der eingebauten Scheibe optimiert, nicht auf maximale Auflösung.

Nonius oder Analoganzeige

Beim Nonius lesen Sie zwei Skalen gegeneinander ab: Die Hauptskala gibt die ganzen Millimeter, und derjenige Noniusstrich, der genau mit einem Strich der Hauptskala zusammenfällt, gibt die Bruchteile. Das ist genau, braucht keine Mechanik, die verschleißen kann, und ist deshalb unempfindlich. Der Nachteil: Es braucht Übung, gutes Licht und einen geraden Blickwinkel, denn schräg abgelesen entsteht ein Parallaxenfehler.

Bei der Analoganzeige überträgt ein Zahnstangenantrieb die Bewegung auf einen Zeiger, und Sie lesen den Wert wie auf einer Uhr ab, ohne zwei Skalen vergleichen zu müssen. Das ist deutlich schneller und bei vielen Messungen hintereinander weniger fehleranfällig. Zusätzlich lässt sich die Anzeige auf einen beliebigen Punkt nullen, was Differenzmessungen erlaubt. Der Preis dafür ist ein Zahntrieb, der Späne und Schmutz nicht verträgt und bei Sturz Schaden nimmt.

Wer eine digitale Anzeige mit Zahlenausgabe und Umschaltung zwischen Millimeter und Zoll sucht, findet sie in der Kategorie Messschieber digital.

Vier Messarten mit einem Werkzeug

Ein Messschieber kann vier Dinge, und die meisten Anwender nutzen zwei davon. Die unteren Messschenkel messen Außenmaße, also Durchmesser, Dicken und Breiten. Die oberen Messschenkel messen Innenmaße, also Bohrungen, Nutbreiten und lichte Weiten. Die Tiefenmessstange, die hinten aus dem Werkzeug herausfährt, misst Tiefen von Bohrungen und Nuten. Und die Rückseite der Messschenkel dient als Stufenmaß für Absätze.

Bei allen vier gilt dieselbe Regel: rechtwinklig ansetzen und nicht zudrücken. Schräg gemessen ist jedes Maß zu groß, weil Sie eine Diagonale messen. Und ein Messschieber, den man mit Gewalt zudrückt, zeigt zu wenig, weil die Messschenkel federn. Die richtige Messkraft ist die, bei der der Messschieber gerade eben am Werkstück anliegt und sich noch verschieben lässt.

Bremsscheiben messen

Eine eigene Bauform, die einen konkreten Zweck erfüllt. Bei einer Bremsscheibe muss die Dicke gemessen werden, und zwar an der Stelle, an der sie am stärksten verschlissen ist, also in der Mitte der Reibfläche. Ein normaler Messschieber kommt dort nicht heran, weil seine flachen Messschenkel auf dem unverschlissenen Rand aufliegen und deshalb die Dicke des Randes messen, nicht die der Reibfläche. Die Spezialausführung hat balligge oder verlängerte Messflächen, die genau in die Verschleißmulde greifen.

Das ist keine Feinheit, sondern der Unterschied zwischen einer bestandenen und einer nicht bestandenen Prüfung: Eine Scheibe, die am Rand noch Maß hat und in der Mitte unter der Verschleißgrenze liegt, ist verbraucht. Mit einem normalen Messschieber gemessen sieht sie gut aus.

Nullpunkt prüfen und Pflege

Die wichtigste Gewohnheit bei diesem Werkzeug dauert zwei Sekunden: Messschenkel schließen und prüfen, ob die Anzeige auf null steht. Steht sie nicht auf null, ist jede folgende Messung um denselben Betrag falsch, und zwar systematisch, weshalb es nicht auffällt. Machen Sie das nach jedem Sturz, nach jedem Transport und routinemäßig am Anfang einer genauen Messreihe.

Ansonsten: Führung sauber halten und ölfrei wischen, weil Öl Späne bindet und Späne die Führung ausschleifen. Nicht als Anschlag, Hebel oder Anreißwerkzeug benutzen, auch wenn die Messschenkel danach aussehen. Und getrennt lagern, nicht lose in der Schublade mit Schraubenschlüsseln, denn der häufigste Grund für einen unbrauchbaren Messschieber ist nicht Verschleiß, sondern das, was in derselben Schublade darauf liegt. Passende Fächer und Etuis finden Sie unter Werkstattmöbel Zubehör.

Was dazugehört

Für Hundertstelmessungen im Außenmaß führen die Mikrometer das passende Programm, für Abweichungen und Rundlauf die Messuhren in derselben Kategorie. Reine Tiefenmessungen erledigen die Tiefenmesser genauer und bequemer als die Tiefenmessstange eines Messschiebers. Für Längen im Millimeterbereich gibt es Maßbänder und Zollstöcke. Einen Überblick über das gesamte Messprogramm gibt die Übersicht Messwerkzeuge.

Häufig gestellte Fragen zu Messschiebern

Ist eine Schieblehre dasselbe wie ein Messschieber?

Ja. Messschieber ist die technisch korrekte Bezeichnung nach Norm, Schieblehre die im Handwerk seit Generationen gebräuchliche. Streng genommen ist „Lehre" falsch, weil eine Lehre ein festes Maß verkörpert und nichts abliest, aber der Sprachgebrauch hat sich anders entschieden.

Was bedeutet 1/20 und 1/50 Millimeter?

Das ist die Ablesung, also der kleinste Wert, den der Nonius auflöst. 1/20 entspricht 0,05 Millimetern und ist der Standard für Werkstatt und Montage. 1/50 entspricht 0,02 Millimetern und wird gebraucht, wenn Passungen eingehalten werden müssen, also im Maschinenbau bei Lagersitzen, Wellen und Bohrungen mit Toleranzangabe.

Warum kostet ein Messschieber mit 1/50 mm so viel mehr?

Weil er auch mechanisch so genau gefertigt sein muss, dass diese Auflösung etwas bedeutet. Eine feine Skala auf einer schlechten Führung ist wertlos: Das Spiel der Führung wäre dann größer als der Wert, den man ablesen möchte.

Nonius oder Analoganzeige?

Der Nonius ist unempfindlich, hat keine Mechanik, die verschleißen kann, braucht aber Übung, gutes Licht und einen geraden Blickwinkel. Die Analoganzeige liest sich wie eine Uhr ab, ist bei vielen Messungen schneller und weniger fehleranfällig, verträgt aber Späne, Schmutz und Stürze schlechter.

Was kann ein Messschieber alles messen?

Vier Dinge: Außenmaße mit den unteren Messschenkeln, Innenmaße mit den oberen, Tiefen mit der Tiefenmessstange hinten und Stufen mit der Rückseite der Messschenkel. Die meisten Anwender nutzen nur die ersten zwei.

Warum misst mein Messschieber unterschiedliche Werte?

Meist wegen der Messkraft oder des Ansatzes. Ein Messschieber, den man zudrückt, zeigt zu wenig, weil die Messschenkel federn. Schräg angesetzt zeigt er zu viel, weil Sie eine Diagonale messen. Richtig ist die Kraft, bei der der Messschieber gerade eben anliegt und sich noch verschieben lässt.

Warum braucht man einen eigenen Messschieber für Bremsscheiben?

Weil ein normaler Messschieber mit seinen flachen Schenkeln auf dem unverschlissenen Rand aufliegt und damit die Dicke des Randes misst, nicht die der Reibfläche. Eine Scheibe, die am Rand noch Maß hat und in der Mitte unter der Verschleißgrenze liegt, ist verbraucht und sieht normal gemessen gut aus. Die Spezialausführung greift in die Verschleißmulde.

Wie prüfe ich, ob mein Messschieber noch stimmt?

Messschenkel schließen und prüfen, ob die Anzeige auf null steht. Steht sie nicht auf null, ist jede folgende Messung um denselben Betrag falsch, und weil der Fehler systematisch ist, fällt er nicht auf. Prüfen Sie das nach jedem Sturz, nach jedem Transport und routinemäßig vor einer genauen Messreihe.

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