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Es gibt Arbeitsplätze, an denen ein Lederschuh grundsätzlich falsch ist, und das sind alle, an denen dauerhaft Wasser, Schlamm, Beton, Gülle oder Reinigungsmittel im Spiel sind. Leder nimmt Feuchtigkeit auf, trocknet über Nacht nicht durch, verliert Form und Klebeverbindung und ist nach wenigen Wochen ein Fall für die Tonne, ganz unabhängig davon, wie gut es ursprünglich war. Für diese Bedingungen gibt es die Klassen S4 und S5: vollständig aus Gummi oder Kunststoff gefertigte Stiefel, die keine Naht und keine saugende Faser haben und deshalb wirklich dicht sind, nicht nur wasserabweisend. S5 unterscheidet sich von S4 durch zwei Zusätze, die den Unterschied zwischen einem Regenstiefel und einem Sicherheitsstiefel ausmachen: eine durchtrittsichere Einlage gegen Nägel und spitze Gegenstände im Boden und eine profilierte Laufsohle, die auf weichem und rutschigem Untergrund greift. Die Zehenschutzkappe für 200 Joule ist in beiden Klassen enthalten, denn auch ein Gummistiefel ist ein geprüfter Sicherheitsschuh und kein Gartenstiefel.
Wofür S5 gebraucht wird
Die typischen Einsatzbereiche haben eines gemeinsam: der Fuß steht nicht nur im Nassen, er steht dort stundenlang. Im Hoch- und Tiefbau sind es Betonarbeiten, Fundamente, Estrich und Arbeiten im ausgehobenen Graben, wo frischer Beton zusätzlich alkalisch ist und Leder chemisch angreift. In der Landwirtschaft sind es Stall, Melkstand, Silage und Gülle, wo neben der Nässe die Hygiene eine Rolle spielt, weil ein glatter Stiefel abgespritzt und desinfiziert werden kann und ein Lederschuh nicht. In der Reinigung und in der Lebensmittelverarbeitung sind es Nassbereiche mit Reinigungsmitteln, Fetten und Temperaturwechseln. Im Garten- und Landschaftsbau sind es Erdarbeiten und Teichbau, in der Entsorgung und im Recycling nasse Flächen mit scharfkantigem Material im Boden, was genau die Kombination ist, für die die durchtrittsichere Einlage vorgesehen ist. Und im Winterdienst schließlich zählt, dass Schnee, Salz und Tauwasser einem Gummistiefel nichts anhaben, während sie Leder und dessen Nähte in einer Saison zerstören. Wer nur gelegentlich mit Nässe zu tun hat, ist mit einem S3-Schuh besser bedient, weil er beweglicher ist und den Fuß atmen lässt.
PVC, Gummi oder Nitril: das entscheidende Kriterium
Bei einem Gummistiefel gibt es neben der Größe genau ein Kriterium, das über Eignung und Lebensdauer entscheidet, und das ist der Werkstoff. PVC ist der günstigste und weit verbreitete Werkstoff, robust gegen viele Chemikalien, leicht zu reinigen und formstabil, er hat aber eine praktische Grenze: bei Kälte wird PVC hart und spröde, verliert an Flexibilität und kann an Biegestellen im Spann und in der Ferse reißen. Wer im Winter draußen arbeitet, sollte das wissen, bevor er den Stiefel im Frost anzieht und beim ersten Kniebeugen einen Riss hat. Naturkautschuk bleibt auch bei niedrigen Temperaturen elastisch und ist deshalb die richtige Wahl für Kälte und für Arbeiten mit viel Bewegung, ist dafür empfindlicher gegen Öle und Kraftstoffe. Nitril ist der Spezialist für Öle, Fette und viele Chemikalien und wird deshalb in Industrie und Lebensmittelbereich eingesetzt, kostet dafür mehr. Praktische Faustregel: Kälte und Bewegung sprechen für Kautschuk, Öl und Chemie für Nitril, und für den überwiegenden Teil der Bau- und Reinigungsarbeiten bei gemäßigten Temperaturen ist PVC der wirtschaftlich richtige Werkstoff.
Größe, Passform und das Problem mit dem Fußklima
Ein Gummistiefel wird anders gewählt als ein Schnürschuh, weil er sich nicht an den Fuß anpassen lässt: es gibt keine Schnürung, mit der Volumen ausgeglichen wird, und die Weite ist vorgegeben. Deshalb wird üblicherweise eine Nummer größer gewählt als beim Straßenschuh, damit ein dicker, saugfähiger Strumpf hineinpasst und der Fuß beim Gehen nicht in der Ferse rutscht. Zu groß darf er trotzdem nicht sein, weil ein rutschender Fuß Blasen erzeugt und die Zehenkappe dann nicht mehr über den Zehen sitzt. Der zweite und größere Praxisunterschied ist das Fußklima. Ein vollständig dichter Stiefel lässt keine Feuchtigkeit nach außen, und die Feuchtigkeit, die im Lauf eines Arbeitstages entsteht, bleibt vollständig im Stiefel. Deshalb gilt hier strenger als bei jedem anderen Schuh: saugfähige Strümpfe tragen und täglich wechseln, die Einlegesohle abends herausnehmen und den Stiefel offen und bei Raumtemperatur trocknen lassen, niemals auf der Heizung. Wer täglich im Nassen steht, fährt mit zwei Paar im Wechsel deutlich besser, und das ist bei diesem Schuhtyp kein Komfortargument, sondern der Unterschied zwischen gesunden Füßen und Fußpilz. Passende Einlegesohlen gibt es im Zubehör, unter anderem in wärmeisolierender Ausführung für den Wintereinsatz.
Reinigung, Prüfung und wann der Stiefel ausgemustert wird
Ein Gummistiefel wird abgespritzt und nicht gebürstet, und das ist einer seiner größten Vorteile, weil er damit auch dort einsetzbar ist, wo Hygienevorgaben gelten. Zwei Dinge verkürzen seine Lebensdauer erheblich und werden trotzdem regelmäßig gemacht: die Lagerung in der prallen Sonne, weil UV-Strahlung den Werkstoff altern lässt und spröde macht, und das Trocknen an der Heizung, was denselben Effekt beschleunigt. Gelagert wird deshalb stehend, kühl und dunkel. Bei der Prüfung vor dem Anziehen zählt vor allem der Biegebereich am Spann und an der Ferse, weil dort die Materialermüdung zuerst sichtbar wird, meist als feines Rissnetz, das sich später zu einem Riss öffnet. Ausgemustert wird der Stiefel, wenn das Sohlenprofil abgelaufen ist und die Rutschhemmung damit nicht mehr gegeben ist, wenn ein Riss oder ein Loch vorhanden ist, denn ein undichter Sicherheitsstiefel hat seine wichtigste Funktion verloren, und immer nach einem heftigen Schlag auf die Zehenkappe, weil diese bleibend verformt sein kann. Reparaturen mit Flickzeug sind an einem geprüften Sicherheitsstiefel keine Lösung, weil die Zertifizierung für den Stiefel im Auslieferungszustand gilt. Weitere Ausführungen für Nässe finden Sie bei den wasserdichten Arbeitsschuhen und in der Übersicht der Sicherheitsschuhe.
Häufig gestellte Fragen zu Sicherheitsstiefeln S5
Was ist der Unterschied zwischen S4 und S5?
Beide Klassen bezeichnen vollständig aus Gummi oder Kunststoff gefertigte, wasserdichte Stiefel mit Zehenschutzkappe, antistatischen Eigenschaften und Energieaufnahme im Fersenbereich. S5 hat zusätzlich eine durchtrittsichere Einlage gegen Nägel und spitze Gegenstände sowie eine profilierte Laufsohle. Für Bereiche, in denen nur Nässe herrscht und nichts Spitzes am Boden liegt, etwa in der Lebensmittelverarbeitung oder in der Reinigung, genügt S4 und der Stiefel bleibt leichter und flexibler. Auf Baustellen, im Abbruch und in der Entsorgung ist S5 die richtige Wahl.
Ist ein Sicherheitsgummistiefel dasselbe wie ein Regenstiefel?
Nein. Ein Regen- oder Gartenstiefel hält Wasser ab, mehr nicht. Ein Sicherheitsstiefel der Klasse S5 ist nach EN ISO 20345 geprüft und hat eine Zehenschutzkappe, die einem Schlag von 200 Joule standhält, dazu eine durchtrittsichere Einlage, antistatische Eigenschaften, Energieaufnahme im Fersenbereich und eine geprüfte Rutschhemmung. Optisch sind beide kaum zu unterscheiden, weshalb im Betrieb ausschließlich die Kennzeichnung im Stiefel zählt. Ein Gartenstiefel ist auf einer Baustelle keine zulässige Schutzausrüstung, auch wenn er äußerlich gleich aussieht und dieselbe Farbe hat.
PVC oder Gummi, was soll ich nehmen?
Das entscheidet der Arbeitsplatz. PVC ist günstig, formstabil, leicht zu reinigen und gegen viele Chemikalien beständig, wird bei Kälte aber hart und spröde und kann an den Biegestellen im Spann reißen, weshalb er für Arbeiten im Frost nur eingeschränkt taugt. Naturkautschuk bleibt bei Kälte elastisch und ist die bessere Wahl für Winter und für Tätigkeiten mit viel Bewegung, ist dafür empfindlicher gegen Öle und Kraftstoffe. Nitril ist der Spezialist für Öle, Fette und Chemikalien und entsprechend teurer. Für den überwiegenden Teil der Bau- und Reinigungsarbeiten bei gemäßigten Temperaturen ist PVC wirtschaftlich die richtige Wahl.
Welche Größe nehme ich bei einem Gummistiefel?
In der Regel eine Nummer größer als beim Straßenschuh, weil ein dicker, saugfähiger Strumpf hineinpassen muss und weil sich die Weite nicht über eine Schnürung anpassen lässt. Zu groß darf der Stiefel trotzdem nicht sein: rutscht der Fuß beim Gehen in der Ferse, entstehen Blasen, und die Zehenschutzkappe sitzt dann nicht mehr sicher über den Zehen. Ein guter Anhaltspunkt ist, dass die Ferse beim Gehen höchstens minimal abhebt und vorn etwa ein Daumenbreit Luft bleibt. Bei Zwischengrößen lässt sich das Volumen mit einer dickeren oder dünneren Einlegesohle anpassen.
Warum schwitzen die Füße in Gummistiefeln so stark?
Weil ein vollständig dichter Stiefel keine Feuchtigkeit nach außen abgeben kann, sodass alles, was im Lauf des Arbeitstages entsteht, im Stiefel bleibt. Das lässt sich nicht wegkonstruieren, aber gut beherrschen: saugfähige Strümpfe tragen und täglich wechseln, die Einlegesohle abends herausnehmen und den Stiefel offen bei Raumtemperatur trocknen lassen, niemals auf der Heizung. Wer täglich im Nassen steht, sollte zwei Paar im Wechsel tragen, damit jedes Paar vollständig durchtrocknet. Das ist bei diesem Schuhtyp kein Komfortthema, sondern der wirksamste Schutz vor Fußpilz und vor Hautproblemen.
Wie lagere und pflege ich Sicherheitsgummistiefel?
Abspritzen statt bürsten, das ist der große Vorteil dieses Schuhtyps und der Grund, warum er in Hygienebereichen eingesetzt werden kann. Zwei Dinge verkürzen die Lebensdauer erheblich und werden trotzdem oft gemacht: Lagerung in der prallen Sonne, weil UV-Strahlung den Werkstoff altern und verspröden lässt, und Trocknen an der Heizung, was denselben Effekt beschleunigt. Gelagert wird stehend, kühl und dunkel. Prüfen Sie vor dem Anziehen den Biegebereich am Spann und an der Ferse, denn dort zeigt sich Materialermüdung zuerst als feines Rissnetz, das sich später zu einem Riss öffnet.
Kann ich einen gerissenen Sicherheitsstiefel flicken?
Für einen geprüften Sicherheitsstiefel ist das keine Lösung, denn die Zertifizierung gilt für den Auslieferungszustand, und ein undichter Stiefel hat seine wichtigste Eigenschaft bereits verloren. Ein Flicken stellt die Dichtheit bestenfalls vorübergehend her und sagt nichts über die Festigkeit des gealterten Werkstoffs daneben aus, denn ein Riss ist in der Regel kein Einzelschaden, sondern das erste sichtbare Zeichen einer Ermüdung des gesamten Biegebereichs. Ausgemustert wird außerdem bei abgelaufenem Sohlenprofil und immer nach einem heftigen Schlag auf die Zehenkappe, weil diese bleibend verformt sein kann.
Halten Gummistiefel im Winter warm?
Von sich aus nicht, denn Gummi und PVC isolieren kaum und leiten Kälte vom Boden nach oben. Wer im Winter längere Zeit steht, braucht entweder eine gefütterte Ausführung oder eine wärmeisolierende Einlegesohle, dazu saugfähige Strümpfe, weil ein feuchter Fuß Wärme um ein Vielfaches schneller verliert als ein trockener. Wichtig ist außerdem der Werkstoff: PVC wird bei Frost hart und spröde und kann an den Biegestellen reißen, während Naturkautschuk elastisch bleibt. Und der häufigste Fehler bleibt auch hier die dicke Socke im zu engen Stiefel, weil sie den Fuß einengt und die Durchblutung behindert, die ihn eigentlich wärmt.
